Flexibilität ist das A und O in der Arbeitswelt. Pendeln, also die Fahrt vom Wohnort an den Arbeitsplatz oder an den Studienort, wird immer gefragter, da auch die Arbeitswege immer häufiger länger werden.

In Österreich ist die Summe der beruflichen Pendler von 1971 bis 2011 von 2,4 Millionen auf fast 3,6 Millionen gewachsen – Tendenz weiter steigend. Bei SchülerInnen und Studierenden verhält es sich kaum anders. Besonders extrem ist die Anzahl der Pendler, die für den Job oder die Ausbildung sogar Grenzen zwischen Bundesländern überschreiten, denn diese ist in diesen 40 Jahren um über 200% gestiegen. Berechtigterweise fragen sich viele: Ist es nicht sinnvoller, gleich umzuziehen?

Umziehen oder Pendeln: Welche Möglichkeiten gibt es?

Offiziell gilt man als Pendler, sobald sich der Wohnort vom Arbeitsort unterscheidet. So pendelt man bereits, wenn man lediglich die Gemeindegrenze am Weg zur Arbeit überschreitet. Beträgt die  Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort nur wenige Kilometer, lohnt es sich in den meisten Fällen zu pendeln.

Der moderne Langstreckenpendler hingegen pendelt heutzutage am vor allem Wochenende. Große Entfernungen von mehreren hundert Kilometern werden nur noch wöchentlich zurückgelegt, die Arbeitswoche wird folglich in einer Wohnung bzw. einem Wohnheim am Arbeits- oder Ausbildungsort verbracht. Viele Studenten aber auch Berufstätige, denen die Nähe zur Familie und den Freunden im Heimatort wichtig ist, erfreuen sich an dieser Wohnmethode. Die radikalere Möglichkeit, um eine große Entfernung zum Arbeitsort zu umgehen, ist der Umzug.

 

Welche Vor- und Nachteile hat Pendeln?

Das Leben auf Achse ist attraktiv. Der Sprung ins kalte Wasser, der beim Umzug so gefürchtet wird, bleibt aus. Die Komfortzone muss nicht verlassen werden. Pendler kommen jeden Tag nach Hause, im schlimmsten Fall zwar nur wöchentlich, dennoch sehen sie ihre Familie und Freunde dadurch häufiger. Jeden Tag neben dem Liebsten aufwachen – für Pendler ganz normal.

Das ist jedenfalls die allgemeine Vorstellung, doch Langstreckenpendler wissen, dass das nicht immer der Realität entspricht. Oftmals besteht Alltag von Pendlern aus langen Fahrstrecken, engen Sitzplätzen in der Bahn oder Stau auf den Straßen. Für Hobbies bleibt dann häufig nur wenig Zeit – ebenso wie für Familie und Freude.

 

Welche Vor- und Nachteile hat ein Umzug?

Schon allein der Gedanke an einen Umzug, weg von daheim, kann auf Menschen aller Altersklassen abschreckend wirken, denn Heimweh ist nicht nur für junge Studenten ein Thema. Untragbar scheint auch der Zeitaufwand für den Transport der Habseligkeiten von A nach B.

Ein Tapetenwechsel bringt jedoch auch Vorteile mit sich. Neue Freunde, neue Interessen, vor allem aber viel Freizeit, die sonst auf dem langen Arbeits- oder Schulweg verloren gehen würde, machen den Unterschied. Ein Umzug bedeutet nicht nur das Ende eines Lebensabschnitts, er eröffnet immer auch einen Neuanfang. Mit einem neuen Job kommt eine neue Herausforderung und mit ihr die Möglichkeit, daran zu wachsen, den beruflichen und privaten Horizont zu erweitern. Und wer bereits bei der Umzugsplanung einige Tipps beachtet, trägt dafür Sorge, dass ein Umzug keineswegs teuer sein muss. Je besser die Planung, desto effizienter und kostengünstiger ist die Übersiedlung selbst. Egal, ob man mithilfe von Familie und Freunden umzieht oder mit der Unterstützung eines professionellen Umzugsunternehmens.

 

Hilfe beim Umzug

 

Pendeln oder umziehen: Was ist günstiger?

Pauschal lässt sich diese Frage nur schwer beantworten, vor allem dann, wenn man sich die Mietpreise am überteuerten Wohnungsmarkt mancher Großstädte vor Augen führt. Vergleicht man jedoch den Preis einer Wohnung mit jenen der teils sehr überteuerten Bahnfahrkarten, relativieren sich die Kosten unter Umständen. Vor allem dann, wenn längere Strecken, zum Beispiel von den westlichen Bundesländern nach Wien, zurückgelegt werden müssen, ist ein Umzug, oder zumindest das Wochenendpendeln, unumgänglich. Für kurze Pendlerwege wie etwa zwischen Korneuburg und Wien lohnt es sich aber sehr wohl, täglich den Zug oder das Auto zu nutzen, da sich die Reisekosten dann deutlich in Grenzen halten.

 

Was ist besser für die Gesundheit?

„Stauwarnung“, „Verspätung“, „Bauarbeiten“, „Schienenersatzverkehr“: Das sind Begriffe, bei denen es Langstreckenpendlern kalt über den Rücken läuft. Dazu kommen enge Sitzplätze, lange Fahrtzeiten, allem voran aber Stress. Dass sich dieser Umstand langfristig auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken kann, ist daher kein Wunder. Typische Pendlerleiden reichen von Schlafmangel über Rückenprobleme bis hin zu Bluthochdruck und Stresszuständen. Hier gilt es anzusetzen und mögliche Stresssituationen zu vermeiden. Jeder Pendler sollte daher selbst herausfinden, welche Form des Pendelns (z.B. Auto oder Bahn) am besten geeignet ist.

Natürlich zieht auch ein Umzug nicht spurlos am Wohnortwechselnden vorbei. Bis zu anderthalb Jahre lang kann der (psychische) Stress, den ein Umzug mit sich bringt, anhalten. Der gravierende Unterschied zu dem Stress, dem Pendler ausgesetzt sind, ist, dass es sich beim Umzugsstress um temporären Stress handelt, der nach einer gewissen Zeit ein Ende findet. Der Pendlerstress ist dauerhaft.

 

Fazit

Ein Umzug ist häufig einer großer Schritt. Vor allem dann, wenn eine Familie mit Kindern involviert ist, sollte man die Entscheidung zwischen Pendeln und Umzug gut durchdenken. Dabei hilft es, beim Bewerbungsgespräch die richtigen Fragen über die Zukunft, unter anderem über die Sicherheit der Stelle oder Aufstiegsmöglichkeiten, zu stellen. Trotz allen Überlegungen, Abwägungen und gut gemeinten Ratschlägen bleibt immer ein Restrisiko, dass der Job doch nicht das ist, was man sich vorgestellt hat, dass das Studium mehr schlecht als recht läuft, oder dass man mit der allgemeinen Lebens- oder Wohnsituation einfach unzufrieden ist. Doch auch dann, so meinen Experten, ist der Weg zurück in die Heimat meist nicht die richtige Richtung. Schlauer ist es, sich aktiv in das neue Umfeld zu integrieren, Freunde zu suchen, Vereinen beizutreten. Mehr Beschäftigung bedeutet weniger Heimweh und gleichzeitig mehr Bekanntschaften. So lebt es sich gleich leichter – auch fern von daheim.